Europa-Rat

Der Import eines Neuwagens aus einem EU-Mitgliedsstaat kann sich lohnen: 
Im Ausland locken häufig hohe Ersparnisse. Doch wer das Preisgefälle nutzen will, sollte bereit sein, viel Zeit und Mühe in den Fahrzeugkauf zu investieren.

Europa soll zusammenwachsen, ohne Marktbeschränkungen auskommen - so stellen sich Politiker die Europäische Union (EU) vor. Doch die Realität sieht anders aus. Vor allem die Autoindustrie sorgt derzeit für Probleme: Sie steht in der Kritik, gezielt den freien Wettbewerb zu torpedieren.

Das Beispiel Volkswagen beweist, dass nicht alle Vorwürfe aus der Luft gegriffen sind. Seit Anfang Juli gilt als erwiesen, dass VW italienische Vertragshändler, die Autos an deutsche Kunden verkaufen wollten, behindert hat. Ein Verstoß gegen EU-Recht, befand der Europäische Gerichtshof - und verhängte ein Bußgeld von 176 Millionen Mark gegen VW.
 

Ein ähnliches Schicksal könnte nun auch andere Hersteller treffen. Derzeit laufen Verfahren gegen Opel und Daimler-Chrysler. „Mit einer Entscheidung“, so Michael Tscherney, Sprecher der Brüsseler Wettbewerbsdirektion, „ist noch in diesem Jahr zu rechnen.“

Das harte Durchgreifen der Europäischen Union zeigt Wirkung - doch von freiem Warenverkehr kann noch nicht überall die Rede sein. Nach wie vor stottert der Wettbewerbs-Motor: „Leider gehen noch immer in großer Zahl Verbraucherbeschwerden bei uns ein“, berichtet Tscherney.

 
Mit Hilfe solcher Beschwerden versuchen die Wettbewerbshüter, den Herstellern auf die Schliche zu kommen. Was die EU bei ihren Ermittlungen jedoch oft feststellen muss: Sie kann der Autoindustrie nicht immer ein Vergehen nachweisen. Der Grund für Verkaufsblockaden im Ausland, so Thomas Herzig von der Importfirma Eurobil, sei jetzt häufig die von einigen Herstellern eingeführte Quotenregelung. Die Händler in den Nachbarstaaten hätten schlechthin keine Autos übrig, die sie an Ausländer verkaufen können. "Mit derlei legalen Tricks“, sagt Herzig, "versucht die Industrie nun, den EU-Import zu steuern."

Tatsächlich aber kann die Politik der restriktiven Kontingentierung den EU-Import nicht stoppen - im Gegenteil, er erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Zwar müssen die Käufer viel Zeit und Mühe in die Autosuche investieren, aber oftmals macht sich der Aufwand bezahlt. Ein Ford Focus zum Beispiel ist in Spanien bis zu 33 Prozent günstiger als in Deutschland.
 

      Das Preisgefälle in der EU ist nicht unbedingt auf eine schlechtere Verarbeitungsqualität der Autos zurückzuführen. Und auch nicht zwingend auf eine magere Ausstattung, wie André Fox von Auto Fox erklärt. „Wir stellen bei den Importen fest, dass die Ausstattungspakete immer besser werden.“ Dies gelte auch für die Schadstoffeinstufung, sagt der Importeur. Immer seltener sei zu beklagen, dass ausländische Autos eine viel schlechtere Abgasnorm erfüllten als vergleichbare Modelle hier zu Lande.

Die Ursache für die Schnäppchen-Preise ist vielmehr, dass die Hersteller im Ausland mit spitzerem Stift kalkulieren müssen. In Spanien etwa sorgt das geringe Einkommensniveau für Niedrigpreise. In Dänemark treibt eine Kombination aus Umsatz- (25 Prozent) und Luxussteuer (bis zu 180 Prozent) den Verkaufspreis in die Höhe. So müsse der Däne für einen VW Golf 1.6 nicht nur den Fahrzeugpreis von gut 25.500 Mark aufbringen, rechnet Eurobil-Chef Herzig vor, sondern noch zusätzlich 30.800 Mark an den Staat entrichten. Deutsche hingegen haben nur den Nettobetrag zu zahlen - ohne ausländische Sondersteuern, versteht sich.

Kein Zweifel:
Für Bundesbürger lohnt der Autokauf bei den Nachbarn, schont er doch meist den Geldbeutel, selten allerdings die Nerven. Schon das Problem des Autotransports belegt, dass der Harmonisierungsprozess innerhalb der EU noch nicht abgeschlossen ist. Deutsche Kurzzeitkennzeichen etwa sind nicht in allen Mitgliedsländern zugelassen. Eine Alternative seien Zollkennzeichen, so Theo Breitgoff vom Bundesverband freier Importeure (BfI): "Sie kosten aber zwischen 500 und 1000 Mark." Der Transport durch eine Spedition kann mit bis zu 2000 Mark ebenfalls sehr teuer werden. Da bleibt oft nur die Überführung auf einem Hänger.
     

Auch Papierkram und Hürden der Bürokratie können zur Nervenbelastung werden. Denn damit in Deutschland auch ein Garantieanspruch besteht, müssen die Käufer vom Händler ein korrekt ausgefülltes Serviceheft verlangen. Zudem sollte er das COC-Papier (Certification of Conformity) und die Originalrechnung aushändigen. Das COC-Dokument ist die EU-Typgenehmigung - fehlt sie, ist das Auto in Deutschland einer technischen Prüfstelle vorzuführen. Die Originalrechnung gilt für Finanzamt und Zulassungsstelle als Vorlage.

Bei der Einfuhr ist sofort die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 16 Prozent an den Fiskus zu entrichten. Zudem muss eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Kraftfahrt-Bundesamt eingeholt und der Fahrzeugbrief bei der Zulassungsstelle beantragt werden. Erst dann kann man das Fahrzeug anmelden.


 

Quelle: Auto-Universum (Fotos: Beate Jeske, Ford, Opel)